Interview mit Carsten Schröder

Im Vorfeld des OMT 2016 möchten wir Dir alle unsere Speaker in einem Interview vorstellen. Heute ist Carsten Schröder an der Reihe, der sich beim OMT 2016 mit einem Vortrag zum „Online Marketing Recht“ präsentieren wird.

 

OMT: Hallo Carsten, bitte stell Dich doch unseren Lesern und Besuchern vor. Wer bist Du, was machst Du und spare nicht an Informationen zu Deiner Person.

Carsten Schröder: Mein Name ist Carsten, ich bin 43 Jahre und seit 10 Jahren Mitinhaber einer kleinen Rechtsanwalts-Boutique in dem Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes.

Von Haus aus bin ich Rechtsanwalt und Fachanwalt im gewerblichen Rechtsschutz und Wirtschaftsmediator, wobei ich die Mediation aktiv nicht praktiziere. Ich bin seit Ende der 90er in Frankfurt und betrachte mich inzwischen auch als Frankfurter der zwingend notwendig in Sachsenhausen wohnen, Apfelwein lieben und mit einer Dauerkarte zur Eintracht gehen muss. Dies obwohl die „echte Liebe“ und Vereinsmitgliedschaft seit annähernd 30 Jahren den Schwarzgelben aus Dortmund gilt.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und das nicht nur im Stadion, sondern liebe meinen Job. Ich bin offen, neugierig, gradlinig und spreche gern Klartext. Am meisten hasse ich eine Paarung aus Arroganz und Inkompetenz, die sich leider auch bei uns Rechtsanwälten häufiger findet. Hier liegt meine große Schwäche, weil ich mit einer solchen Paarung schlecht umgehen kann und hin und wieder zu stärkeren Kraftausdrücken oder Gesten neige. Meinen Job betrachte ich wie meine Vorlieben für den Sport, insbesondere Fußball, Tischtennis und Schwimmen. Ich bin eigentlich kein guter Verlierer, kann allerdings dann verlieren, wenn die andere Seite bessere Argumente besitzt. Schwer tue ich mich damit, einfach nur „Pech“ zu haben. Mit Fragen des Online-Marketings beschäftige ich mich seit nun 15 Jahren, wobei dies aus meiner allgemeinen Tätigkeit rund um das Marken-, Wettbewerbs-, Urheber sowie Designrecht und Fragen des E-Commerce resultiert. Hierzu berate ich viele Kunden aus unterschiedlichen Branchen und arbeite eng mit Marketing-Abteilungen und Werbeagenturen zusammen, wobei ich häufig eine outgesourcte Marketingabteilung bin, da ich viele Verkaufsförderungsaktionen und Online Marketing-Kampagnen vor der tatsächlichen Schaltung überprüfe. Darüber hinaus hatte ich die Freude, über die letzten Jahre hinweg hunderte von intensiven Wettbewerbsstreitigkeiten in streitsüchtigen Branchen wie u.a. der Unterhaltungselektronik und der Tuning- sowie Kraftfahrzeugteilebranche zu führen. Vor diesem Hintergrund betrachte ich mich selbst als „Front-schwein“ und gebe die Erfahrungen gern bei Inhouse-Schulungen oder Vorträgen weiter.

OMT: Du bist von Haus aus Anwalt. Gab es einen Grund, warum Du Dich in Deinem Jura-Studium auf Online Marketing Recht spezialisiert hast?

Carsten Schröder: Der einzige Grund, warum ich überhaupt Anwalt geworden bin, ist die Tatsache, dass ich nach meinen Mathe LK nie mehr rechnen wollte. Insofern viel mir nichts Besseres ein, als das Jura Studium, da schon damals der Spruch galt „Judex Non Calculat“. Die Spezialisierung auf den Bereich des Online-Marketing Rechts ging Hand in Hand mit meiner täglichen Praxis und der Zusammenarbeit mit Werbeagenturen und Marketingabteilungen von großen international agierenden Unternehmen. Ich persönlich bin der Meinung, dass eine ausschließliche Spezialisierung auf den Bereich des Online-Marketing-Rechts ohne entsprechende Grundlagen suboptimal ist. Insofern hatte ich in den ersten 3 Jahren meines Berufseinstiegs in einer mittelständischen Kanzlei in Wiesbaden das Glück oder Pech – je nach Betrachtung – täglich in allen Bereich des Zivilrechts beratend tätig sein und zu Gericht gehen zu müssen. Diese harte Schule hat gleichwohl dafür Sorge getragen, dass die Grundlagen existieren, da das Online Marketing Recht kein isoliertes Rechtsgebiet ist, sondern jeweils aus den einzelnen allgemeinen Rechtsgebieten heraus zu bewerten ist.

Daher bin ich der Ansicht, dass insbesondere eine frühzeitige Spezialisierung ohne die richtigen Grundlagenkenntnisse dazu führt, dass insbesondere Neuentwicklungen nicht vernünftig im Vorhinein bewertet werden können. Hier würde ich die Situation des Online Marketing Rechts mit dem allgemeinen Recht, insbesondere im gewerblichen Rechtsschutz so vergleichen, dass du nur ein guter Delfinschwimmer sein kannst, wenn du überhaupt richtig schwimmen gelernt hast.

OMT: Dein genaues Vortragsthema steht bis heute nicht fest. Warum? Kannst du uns schon ungefähr sagen, in welche Richtung es gehen wird?

Carsten Schröder: Die rechtliche Entwicklung in dem Bereich des Online Marketings ist sehr dynamisch, da wir nahezu täglich unterschiedliche Gerichtsentscheidungen von unterschiedlichen Landgerichten der Republik zu verschiedenen Fragen hereinbekommen, welche das Online Marketing betreffen. Daher habe ich bewusst den Inhalt meines Vortragsthemas offengelassen, um möglichst kurzfristig und aktuell reagieren zu können.

Ich werde rechtliche Fallstricke und deren Umgehung im Online-Marketing anhand aktueller Rechtsprechung vorstellen. Hierbei gehen wir ein auf rechtssichere Gestaltung von Links, Frames und Embedded-Content, Erhebung von Verkehrsdaten, Datenschutzhinweise und sonstige Informationspflichten rund um das Thema des Datenschutzes sowie Einbettung von Social-Media-Plug-Ins. Des Weiteren werde ich typische aktuelle Fragestellungen aus der Rechtsprechung aus dem Bereich der Suchmaschinenoptimierung und des Keyword-Advertising aufgreifen und getarnte Werbung in Blogs oder Foren und Productplacements sowie die Verantwortlichkeiten von Preissuchmaschinen und Forenbetreiber auch für User Generated Content beleuchten.

OMT: Das Thema Online Marketing Recht ist für viele Online Marketing Experten eine notwendige Last. Die Rechtsprechung in dem Bereich ist vergleichsweise neu und wie in allen Rechtsthemen nicht einfach zu verstehen. Was ist Dein Rat an jeden Online Marketing Experten, wie er mit dem Thema umgehen sollte?

Carsten Schröder: Mein Rat ist im Rahmen der Gestaltung von neuen Online Marketing Strategien frühzeitig einen auf diesen Bereich spezialisierten Juristen einzubinden. Dies vermeidet unnötige Kosten und etwaigen Änderungsbedarf oder spätere Überraschungen in Form von Abmahnungen oder gerichtlichen Verboten. Dabei braucht aus meiner Sicht auch keine Berührungsangst zu bestehen, was auch diese Veranstaltung signalisieren soll. Meine tägliche Praxis in der Zusammenarbeit mit Online Marketing Experten aus Marketing Abteilungen und Agenturen belegt dies, wobei die Online Marketing Experten immer versuchen sollten, der nicht als „allgemeiner Bedenkenträger“ fungiert, sondern konstruktive Lösungen für einzelne auch rechtlich unklare Themen vorstellt.

OMT: Für Dich wird es die bereits die zweite Teilnahme beim OMT. Wie sind Deine Erinnerungen an das Vorjahr und was erwartest Du von der diesjährigen Veranstaltung?

Carsten Schröder: Meine Erfahrungen im letzten Jahr waren sehr gut. So haben wir gnadenlos überzogen, was insbesondere an der intensiven Mitarbeit und Diskussionen aus dem Auditorium resultierte. Auch dieses erhoffe ich in diesem Jahr, da ich kein Freund von reinen Frontveranstaltungen bin, sondern es insbesondere genieße, wenn rege Diskussionen auch zu rechtlich noch nicht klar und eindeutig geregelten Themen des Online Marketing Rechts entstehen. In diesem Sinne freue ich mich auf lebhafte Diskussionen und eine tolle Veranstaltung.

OMT: Vielen Dank für Dein Interview. Wir freuen uns schon sehr auf Deinen Vortrag beim OMT 2016!